Auszug aus einer Diplomarbeit 2001 aus dem Fachgegenstand 'Garten- und Landschaftsgestaltung' der Höheren Bundeslehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau Wien-Schönbrunn:
Das Grundstück in der Tivoligasse 73, 1120 Wien, ist durch seine gegenwärtige Lage und Ausdehnung nur wenig einsehbar. Die Zufahrt führt heute zwischen dem Nachbargrundstück und der Wohnhausanlage in der Tivoligasse hindurch. Historischen Plänen zufolge war der Garten, einstmals im Besitz von Baron Gustav Springer, mit einigen liebevoll gestalteten Bauwerken ausgestattet und - wie am Ende des 19. Jhdt. üblich - im Stil eines englischen Landschaftsgartens gestaltet. Früher einmal ein schöner Villengarten, macht er heute eher einen verwahrlosten Eindruck.
ln der Geschichte Wiens waren das Grundstück und seine Bewohner von großer Bedeutung, es war ein gesellschaftlicher Treffpunkt. Es diente einerseits zur Repräsentation seines Besitzers, Baron Gustav Springer, einer Persönlichkeit der damaligen Gesellschaft, und drückte anderseits dessen Lebensfreude in seinem Garten aus. Baron Springer ließ den Garten mit wunderschönen Bauwerken und Gestaltungselementen der damaligen Zeit ausstatten.
1886 kauft der Bankier Baron Gustav Springer das Anwesen. Das heutige ,Springer Schlössl' wurde 1887 von den Bauunternehmern Fellner und Helmer (Ferdinand Fellner d. J. und Gottlieb Helmer) erbaut. Sie waren bekannte Architekten und hatten schon öfter für die Familie Springer Objekte geplant. Das heutige Schlössl wird zum Zentrum des gesellschaftlichen Lebens. 1890 vergrößert Baron Springer seinen Park durch den Kauf des Areals südlich des Stalls bis zur Schwenkgasse/Hohenbergstraße, später kaufte er noch den letzten Teil des Gatterhölzl dazu.
1920 stirbt Baron Springer und Marie Freiin von Fould-Springer erbt den Besitz in der Tivoligasse. Sie lebt zwar mit ihrer Familie in Paris, doch lässt sie durch den Architekten Fass die Südfassade der Wiener Villa umgestalten.
1939 will der Gau Wien über die Pacht des Anwesens verhandeln, enteignet und beschlagnahmt dieses dann aber, als Marie Wooster-Springer das Haus und Grundstiick nicht vermieten will. Die ,Gauschule Schönbrunn' wird von den Nationalsozialisten in der Springervilla eingerichtet, es entstehen ein Spiel- und Sportplatz sowie ein Löschteich.
1944/45 wird eine politische Schule der Nationalsozialisten in das Haus einquartiert, ein Ziel vieler Bomben.
1949 sucht das Provinziat des Kapuzinerordens bei Marie Wooster-Springer um den Bau einer Kirche in der südöstlichen Ecke des Gartens an.
I953 stirbt Prank Wooster. Da es nicht möglich ist, das Anwesen mit privatem Vermögen in gutem Zustand zu erhalten, verkauft Mary Wooster-Springer nun das Grundstück an den Verein ,,Wiener Volksheime“ mit der Auflage, das Herzstück (die Villa) und die Naturdenkmäler zu erhalten. ln der Villa entsteht ein Schulungsheim.
1955 wird Ecke Schwenkgasse-Hohenbergstraße die Klemens-Maria-Hofbauerkirche im Gatterhölzl eingeweiht. Es findet auch die Grundsteinlegung zum Bau von 350 Eigentumswohnungen entlang der das Grundstück umgebenden Straßen statt (Hohenbergstraße-Schwenkgasse-Tivoligasse).
1975 kauft die Vereinigung für ,,Politische Bildung“ der ÖVP ein Drittel des Anteils an dem Grundstück vom Verein 'Wiener Volksheime' ab; das Seminarhotel wird gebaut und 1977 eröffnet. Es wird auch ein Ansuchen zur Genehmigung des Abbruches der Kegelbahn und des Wirtschafts-(Dienstboten)-gebäudes gestellt, dem auch stattgegeben wird.
Das Haus und das Anwesen des Barons Springer wurde zu dessen Lebzeiten zu einem gesellschaftlichen Mittelpunkt. ln dem Gästebuch sind Eintragungen von Adeligen, Diplomaten, Künstlern, Schauspielern und Vertretern der Finanzwelt und des Großkapitals zu finden, was auch der Grund für die reiche Ausstattung des Parks war.
